Eine der häufigsten Fragen, die uns erreichen, und fast immer steckt eine falsche Erwartung dahinter: dass ein „Gaming-DNS” den Ping senkt. Tut er nicht, und wer versteht, warum, spart sich das blinde Durchprobieren von zehn Adressen.
Wo DNS beim Spielen überhaupt mitspielt
DNS übersetzt Namen in IP-Adressen. Konsole oder PC nutzen es immer dann, wenn das Spiel etwas per Name finden muss: den Login-Server, das Matchmaking, den Store, den Patch-Server. Jede dieser Abfragen dauert je nach eingestelltem Resolver zwischen 5 und 100 Millisekunden, und beim Start laufen viele davon hintereinander.
Sobald das Spiel aber die IP des Matchservers kennt, redet es direkt mit ihm. Die Pakete des Matches gehen per IP, nie über DNS. Der Ping auf dem Bildschirm misst genau diesen Weg, und der ändert sich nicht, egal welchen Resolver du einträgst.
DNS wirkt also auf das, was vor dem Match passiert (Menüs, Login, Warteschlange, Downloads), nicht auf das, was im Match passiert.
Was man mit einem besseren DNS tatsächlich merkt
- Flottere Menüs und Logins. Ein modernes Spiel stellt beim Start Dutzende DNS-Anfragen. Braucht der Resolver 80 statt 10 ms, summiert sich das zu spürbaren Sekunden.
- Downloads vom richtigen Knoten. Patches kommen von einem CDN, und das CDN weist dir einen Knoten danach zu, wo es dich vermutet. Ein weit entfernter Resolver kann dich zu einem weit entfernten Knoten schicken, und der Download wird langsamer. Ein Resolver mit Knoten in deiner Nähe, oder einer, der dein Subnetz ans CDN weitergibt (das nennt sich ECS), vermeidet den Umweg.
- Weniger seltsame Fehler. Manche Provider-Resolver antworten unter Last schlecht oder cachen zu lange, und das zeigt sich als „Verbindung zum Server nicht möglich” ohne erkennbaren Grund.
Was DNS nicht behebt
Wenn dein Problem hoher Ping oder Lag ist, liegt die Lösung woanders:
- Ethernet-Kabel statt WLAN. Die größte Verbesserung, die ohne Geld zu haben ist.
- Im Spiel die nächstgelegene Serverregion wählen.
- Nicht über ein VPN spielen, das einen zusätzlichen Hop einbaut.
- Die Konsole im Router priorisieren (QoS), wenn zu Hause mehrere Leute die Leitung teilen.
Welchen DNS fürs Gaming nehmen
Zwei Kriterien: Er antwortet von deinem Netz aus schnell, und er filtert nicht.
Das erste misst man, statt zu raten. Die großen Resolver sind Anycast, sie antworten also vom Knoten, der dem Fragenden am nächsten liegt, und welcher das ist, hängt von deiner Stadt und deinem Provider ab. Der DNS-Geschwindigkeitstest schickt fünf Runden Anfragen aus deinem Browser und sortiert die Resolver nach echter Latenz. Führ ihn im selben Netz aus, in dem du spielst.
Das zweite ist wichtiger, als es aussieht. Resolver mit Werbeblocker oder Kindersicherung arbeiten mit Listen, auf denen manchmal Telemetrie- oder Authentifizierungsdomains stehen, die Spiele brauchen. Das Symptom ist ein Login, der nicht durchgeht, oder ein Store, der nicht lädt, und niemand verdächtigt den DNS. Für die Konsole lieber einen ungefilterten Resolver oder einen, der nur Malware blockiert.
Mit diesen zwei Kriterien die üblichen Kandidaten:
| Resolver | Primär | Sekundär | Filterung |
|---|---|---|---|
| Cloudflare | 1.1.1.1 | 1.0.0.1 | keine |
| 8.8.8.8 | 8.8.4.4 | keine | |
| Quad9 | 9.9.9.9 | 149.112.112.112 | nur Malware |
| DNS4EU | 86.54.11.100 | 86.54.11.200 | keine (Variante „ungefiltert”) |
In unserer Messung aus Madrid antworten Cloudflare und DNS4EU in 5 bis 6 Millisekunden. Aus einer anderen Stadt kann die Reihenfolge anders aussehen, deshalb der Hinweis: messen.
Einrichtung auf der Konsole
PS5 und Xbox erlauben in den Netzwerkeinstellungen einen manuellen DNS: primär und sekundär, IPv4. Der sekundäre ist ein Fallback, keine Lastverteilung, also trag den zuerst ein, der im Test am schnellsten war.
Wer es lieber einmal für den ganzen Haushalt ändert, macht das im Router: Anleitung für DNS im Router. Für den PC gibt es Anleitungen für Windows, macOS und Linux.
Vom Provider gesperrte Spiele
Ein Teil der Leute, die nach „DNS fürs Gaming” suchen, will eigentlich eine Providersperre für ein Spiel oder seinen Launcher umgehen. Sitzt die Sperre im DNS des Providers, was am häufigsten vorkommt, löst ein öffentlicher Resolver den Namen auf und das Spiel verbindet sich. Sperrt der Provider per IP, hilft DNS nicht, dann braucht es etwas anderes. Der Unterschied ist schnell geprüft: Löst 1.1.1.1 den Namen auf, aber die Verbindung kommt trotzdem nicht zustande, liegt die Sperre nicht im DNS.